Die Automarke - Edsel -
Während General Motors zwischen Chevrolet und Cadillac drei mittlere Marken, nämlich Pontiac, Oldsmobile und Buick, bot und Chrysler zwischen Plymouth und den Chrysler selbst die Fabrikate Dodge und De Soto im Bauprogramm hatte, konnte Ford einzig mit dem Mercury als Übergang zum teuren Lincoln aufwarten. Die Marktstrategen bei Ford hatten dies längst als Nachteil erkannt; wer keinen Mercury mochte, musste beim «Aufsteigen» notgedrungen zur Marke eines Konkurrenzkonzerns überwechseln. Dieser Sachverhalt ließ sich statistisch untermauern: So blieben Mitte der fünfziger Jahre 87 Prozent aller Chevrolet-Käufer beim nächsten Kauf GM treu, und 47 Prozent aller Plymouth-Käufer hielten an Chrysler fest. Bei Ford erreichte der entsprechende Wert jedoch nur 26 Prozent.
Dem wollte man mit einer völlig neuen Marke, dem Ende August 1957 lancierten, nach Henry Fords Sohn benannten Edsel, abhelfen. Wohl sprach man davon, dass die neue Marke zwischen Mercury und Lincoln einrücke, und Fords Nebenzweig wurde denn auch in Mercury-Edsel-Lincoln Division umgetauft. Doch in Wirklichkeit überlappten sich das Edsel- und das Mercury-Angebot weitgehend, wie dies auch bei den mittleren Marken der Konkurrenz der Fall war.
Dem Edsel verlieh man mit dem an ein stilisiertes Wappen erinnernden Kühlergesicht ein eigenes Image. So sehr er sich damit von den übrigen US-Wagen unterschied, so sehr stellte sich zugleich auch die Frage, ob diese Frontgestaltung - von Kritikern wurde sie mitunter als «vaginär» bezeichnet - dem großen Publikum gefiel. Bei Ford erwartete man, dass der Erfolg in erster Linie vom Werbeaufwand abhängen würde. Entsprechend legte man sich denn auch ins Zeug und sorgte für möglichst durchschlagende Reklame. Für die Entwicklung und die Produktionsvorbereitungen allein waren etwa 250 Millionen Dollar investiert worden. Auf 10 Millionen war das erste Werbeetat veranschlagt.
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Wenn auch der Edsel technisch kein Neuland betrat, so bot er immerhin zwei neue V8-Motoren, einen 5,9- und einen 6,7-Liter, die bei einer Verdichtung von 10,5:1 mit 307 und 350 PS aufwarteten. Es gab den Edsel in vier Reihen: Ranger und Pacer (5,9 Liter, Struktur ähnlich Ford), Corsair und Citation (6,7 Liter, Struktur a la Mercury). Insgesamt waren 18 Einzelmodelle erhältlich: 2- und 4türige Sedan über 30 000 Edsel abgesetzt worden waren. Damit musste sich Ford zur Aufgabe der mit riesigem Aufwand auf den Markt gebrachten Marke entschließen. Aus dem Edsel-Dilemma, das sich schon recht bald abgezeichnet hatte, war weit früher als erwartet die große Edsel-Pleite geworden! Dabei hatte Ford für das erste Jahr bereits mit einem Absatz von 250 000 Edsel gerechnet. Insgesamt wurden schließlich von August 1957 bis November 1959 nur 110 850 Edsel hergestellt. Sie gelten heute als spezielle Sammelstücke.